Geschichte und Standort

Die Zeche Westerholt war über ein Jahrhundert verantwortlich für Wachstum und Arbeit in Westerholt. Die Geschichte des Zechenstandortes reicht bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts zurück. Der Standort weist auch heute noch Besonderheiten des Bergbaus auf.

Steckbrief zur Geschichte der Zeche Westerholt

Der Preußische Staat benötigte große Mengen Kohle für die kaiserliche Marine und die verstaatlichte Eisenbahn. Um 1900 führten Unwetterereignisse und Streiks zu einem Zusammenbruch der Kohleversorgung. Der preußische Staat, der nur wenige Steinkohlenbergwerke in Revieren außerhalb des Ruhrgebiets besaß, wollte unabhängig von den privaten Bergwerksbetreibern seine Unternehmungen auf eine sichere Kohlenversorgung stellen. Dazu erwarb er zu Beginn des 20. Jahrhunderts mehrere Grubenfelder im südlichen Münsterland und nördlichen Ruhrgebiet. Ab 1903 errichtete der preußische Staat seine Bergwerke, unter anderem in Waltrop, Ahlen, Gelsenkirchen und Marl. 

Eine dieser Zechen war die spätere Zeche Westerholt auf der Stadtgrenze zwischen der Stadt Gelsenkirchen und Herten. 1907 begannen die Abteufarbeiten am neuen Förderschacht Westerholt I und II. Aus repräsentativen Zwecken baute der preußische Staat prunkvolle gründerzeitliche Gebäude aus rotem Backstein mit weiß abgesetzten Gesimsen, Laibungen und geschweiften Giebeln. Zahlreiche Gebäude und die klare Struktur der Gründungsanlage sind bis heute erhalten. Sie spiegeln zusammen mit jüngeren Gebäuden fast ein Jahrhundert Bergbauarchitektur wider.

Damit die Zechenarbeiter möglichst nah an der Zeche wohnen konnten, wurde eine Siedlung in unmittelbarer Nähe errichtet. Um den dadurch gestiegenen Bedarf an Ziegeln zu decken, wurde 1909 eine eigene Ziegelei auf dem Gelände der Zeche errichtet. Die Arbeitersiedlung wurde nach dem Vorbild der Gartenstadt gebaut. 

Der laufende Betrieb erfuhr im Verlauf der Zeit seine Optimierungen. 1910 wurden zunächst die Zeche und zwei Jahre später die Kokerei in Betrieb genommen. Die Leistungen der Anlage wuchsen kontinuierlich. In den Folgejahren wurden umliegende Kokereien geschlossen und der gesamte Betrieb auf die Zeche Westerholt umgeleitet. Im ersten Weltkrieg gab es in der Zeche zahlreiche Erweiterungen und Modernisierungen. Bereits 1920 förderte die Zeche Westerholt jährlich mehr als 1 Mio. Tonnen Kohle. Zu Beginn des zweiten Weltkriegs verzeichnete die Zeche einen Anstieg der Kohleförderung und Koksproduktion, weil diese als Grundstoff für die spätere Waffen- und Stahlindustrie galten. Infolge des Krieges wurde die Zeche Westerholt stark beschädigt. Das Fördergerüst über Schacht II wurde dabei als einziges im Ruhrgebiet vollkommen zerstört. 

Nach dem Krieg wurde daher ein neuer Schacht mit geschlossenem Förderturm errichtet und die Zeche umfangreich modernisiert. Die Kokerei wurde verlegt und die Gaslieferung von einer größeren Zentralkokerei übernommen. Und schließlich wurde die Kokerei Westerholt abgerissen. Auf ihrem Gelände entstand der neue Zentralförderschacht III. Die Zeche erreichte teilweise eine Fördermenge von 3,05 Mio. Tonnen. Es folgten in den anschließenden Jahren weitere zahlreiche Umbauten und Modernisierungen. 1960 wurde die Zeche Westerholt mit der Zeche Bergmannsglück unterirdisch durch einen Durchschlag verbunden und bildete fortan eine Verbundgemeinschaft. Es begann hiermit auch die Förderung durch einen 4500l großen Grubenwagen, der die Fördermenge enorm steigen ließ. 1968 wurde die Zeche Westerholt als Bergwerk Westerholt in die Ruhrkohle AG übernommen, bis es 1998 zu einem Übergang in die Deutsche Steinkohle AG (DSK) kam.

Schon 1974 wurde staatlicherseits der „Kohlepfennig“ eingeführt. Als Aufschlag auf die Strompreise sollte er zur Subventionierung der Kohlewirtschaft beitragen. Mit seiner Abschaffung 1995 musste der Staat aus eigener Finanzkraft die Subventionierung übernehmen, da die Deutsche Kohle international nicht mehr konkurrenzfähig war. Auf Forderung der EU muss Deutschland zudem bis 2018 aus dem subventionierten Kohlebergbau aussteigen. Die RAG musste schließlich Strategien erarbeiten, wie der Ausstieg schrittweise bewältigt werden kann. Am 19. Dezember 2008 stellte im Zuge dessen schließlich auch die Zeche Westerholt ihren Betrieb ein. (vgl. Madynski 1994, Website Route Industriekultur)